iDivine – Der Schein trügt? So what!

english version below

Ursprünglich für eine Theaterproduktion konzipiert, entwickelte sich der mobile Heiligenschein iDivine aus dem Hause Worenski mittlerweile zu einem top seller.

Du hast noch keine Wunder vollbracht und keine Lust, als Märtyrer zu sterben? Mit iDivine genießt Du das erhebende Gefühl schon zu Lebzeiten und zeigst allen, was in Dir steckt.

Überlasse die Deutungshoheit darüber, was heilig oder göttlich ist, nicht Präsidenten, Kirchen, Sekten, religiösen Fanatikern oder Massenmördern.

 

Hole Dir mit dem mobilen Heiligenschein iDivine ist das perfekte gadget zur zeitgmäßen Imagepflege. Understatement war gestern. Du bist göttlich.

 

 


 

Model: Lex

Bildbearbeitung: Lars Hopstock, Claus Worenski

Fotografiert von Claus Worenski

Idee und Realisation mobiler Heiligenschein iDivine: Claus Worenski

6 Poster im Hintergrund sind aus der Poster-Serie

Heldenreise von Oliver O. Rednitz

 


 

iDivine_cyan

Sankt Oberholz Rosenthaler Platz | 160cm x 109cm Fine Art Inkjet | 680€

 

iDivine_magenta

Sankt Oberholz Zehdenicker Str. 1 | 120cm x 82cm Fine Art Inkjet | 580€

 

Weitere Formate möglich. Preise auf Anfrage.

claus@worenski.de



Der Schein trügt? So what!

Die heiligen Schriften des 21. Jahrhunderts sind Algorithmen, codes und technische Bilder. Im Universum der technischen Bilder hat der Schein Hochkonjunktur und ist weiterhin in den Rollen des schönen Scheins, des Anscheins, des trügerischen Scheins und vor allem in der Rolle der Wahrscheinlicheit zu sehen. Anders als die semantische Bedeutung des Scheins  hat der Heiligenschein oder auch Nimbus, Strahlenkrone, Gloriole, Aureole als visuelles Attribut von Persönlichkeiten mit besonderer Strahlkraft die Abgründe wie auch die großen wissenschaftlichen Erkenntnisse und Errungenschaften der letzten 2000 Jahre unbeschadet überstanden.

Das gegenwärtige Geschehen rollt nicht mehr irgendeiner Zukunft, sondern den technischen Bildern entgegen.

Vilém Flusser, 1985

In christlichen Darstellungen taucht der Heiligenschein ab dem 2. Jahrhundert auf. Aber der Heiligenschein ist keine Erfindung des Christentums. Betrachtet man diesen Schein losgelöst von religiöser Ikonografie, kann man ihn neutraler als Ausdruck von schöpferischer Gabe und eines hoch entwickelten, inspirativen und intuitiven Bewusstseins verstehen. Seit der Antike kennzeichnet er Menschen auf Abbildungen als spirituell erleuchtet und leuchtend, als transzendent und stilisiert sie damit zu Göttinnen und Göttern – in vielen Kulturen und Religionen.

Minerva als Göttin der aufgeklärten Weisheit und Toleranz nimmt Vertreter verschiedener Religionen in ihren Schutz, Stich von Daniel Chodowiecki, 1791

Der Glaube an und das Streben nach etwas Höherem hat uns weit gebracht, auch wenn es ohne den wiederkehrenden Mißbrauch des Glaubens und Strebens nicht zu gehen scheint. Mit Marshall McLuhan gedacht, kann das Internet als eine logische bzw. zwangsläufige Ausdehnung (extension) und Weiterentwicklung des menschlichen Nervensystems gesehen werden. Dieses (nahezu) weltumspannende Internet ist dabei, unser allwissendes, allgegewärtiges, immaterielles und ungreifbares göttliches System zu werden, bestehend aus Milliarden einzelner user, die die Augen dieses göttlichen Systems sind und gleichzeitig permanent von ihm angeschaut werden. Das System ist göttlich, weil wir es sind?

Die systemimmanente Selbstvergottung jedes users durch Profile, bzw. durch Avatare wäre dann wieder mit Mashall McLuhan gedacht die konsequente Ausdehnung und Weiterentwicklung des Bewusstseins, milliardenfach – inklusive Schizophrenie und anderer Spielarten des menschlichen Bewusstseins. In diesem göttlichen System wird nicht die beste aller Welten geschaffen, sondern die besten – milliardenfach.

Wir spielen alle Theater in einer Inszenierungsgesellschaft mit Interaktionsritualen und Techniken der Imagepflege. Dabei wird es schwierig, wahrhaftig und authentisch zu bleiben. Das sollten wir uns einfach eingestehen, während so viele Mitglieder sozialer Netzwerke es als Prosumenten total demokratisch, frei, individuell und sexy finden, nicht nur Konsumenten des schönen Scheins, sondern auch Produzenten der eigenen Wahrheiten und der eigenen Filterblasen zu sein. Nicht einmal mehr der Kapitalismus ist authentisch.

Historische Erfahrung lehrt, dass der Wirklichkeitsbegriff einer Lebenswelt immer dann problematisch wird, wenn sich der Bedeutungsgehalt seines symmetrischen Gegenbegriffs wandelt – also der des Scheins.

Norbert Bolz

All das sind aber nicht etwa postmoderne oder post-postmoderne Phänomene. Das ist alles nichts Neues. Bezüglich Interaktionsritualen, Techniken der Imagepflege, Filterblasen, gefühlten Wahrheiten und postfaktischer Propaganda haben die Autoren und Übersetzer der Tora, der Bibel, des Korans und heiliger Schriften anderer Religionen schon lange vor den Segnungen der Digitalisierung allerhöchste Maßstäbe gesetzt.

Das Ende vom Lied wird sein, dass die Wahrhaftigkeiten und Authentizitäten als leergeschossene Worthülsen auf dem Kunstrasen liegen. Diese Attribute taugen noch als Arschgeweihe für lifestyle-Zombies aber nicht mehr als Sehnsuchtsorte für Selbstversicherungen oder Versteh- und Anfassbares. Wir befinden uns diesbezüglich längst auf dem Flug ins Universum der technischen Bilder.

Nicht die Menschen denken sich in den Mythen, sondern die Mythen denken sich in den Menschen.

Claude Lévi-Strauss

Für alle, denen es egal ist, ob der Schein trügt, oder wahrhaftig oder authentisch ist; für alle, die irgendwie damit klar kommen, dass wir sowieso permanent von Scheinwelten umgeben waren und es nach wie vor sind, gibt es nun mit iDivine ein wundervolles, mobiles selbstvergottungs-gadget aus dem Hause Worenski. Mit Marshall McLuhan gedacht ist es das Medium zur Verlängerung des spirituellen Bewusstseins in die sichtbare Welt. Wenn das Medium die Botschaft ist (McLuhan), was ist dann die Botschaft? Auch Gott ist eine Metapher. Die Frage ist, ob solche Metaphern erfunden oder entdeckt werden.

 



 

english version

iDivine

 

Initially conceived for a theatre production the mobile halo iDivine meanwhile advanced to the position of a top seller made by Worenski.

You have not performed any miracles yet and you are not in the mood to die as a martyr? With iDivine you enjoy the uplifting sensation in life and you show everybody what you are made of.

Do not dedicate the interpretational sovereignty to what is sacred or divine to presidents, churches, sects, religionist or mass murderer.

 

Get the mobile halo iDivine, get the perfect gadget for your contemporary image building.  Understatement is out. You are divine.

 


Exhibition at Sankt Oberholz, Berlin 2017

Model: Lex

Image editing: Lars Hopstock, Claus Worenski

Photographed by Claus Worenski

Idea and realisation of mobile halo iDivine: Claus Worenski

6 background posters are pieces from the poster series

Heldenreise by Oliver O. Rednitz